Tonabnehmerjustage



Die Tonabnehmerjustage ist für einen guten verzerrungsfreien Klang und einer schonenden Plattenwiedergabe unverzichtbar.
Der Ablauf der Justage vollzieht sich normalerweise in folgenden fünf Schritten:

  1. Abtastkraft/Auflagekraft
  2. Tonarmhöhe
  3. Senkrechtstellung der Tonabnehmers
  4. Horizontaler Spurfehlwinkel
  5. Antiskating Einstellung


1. Abtastkraft oder Auflagekraft
Vorweg möchte ich gleich mit einen Irrtum aufräumen: Zu geringe Abtastgewicht ist für den Diamanten und die Platte schädlicher als zu hohe Auflagekraft. Das dies natürlich nur in einen gewisse Rahmen gültig ist versteht sich von selbst. Ist die Auflagekraft für den Tonabnehmer zu gering, so kann der Diamant nicht mehr den Rillenauslenkungen folgen und er taumelt unkontrolliert in der Rille (Verzerrungen), dass zu einem frühzeitigen Verschleiß der Platte und der Nadel unweigerlich führen wird.

Die optimale Auflagekraft kann man den Beschreibungen des Hersteller entnehmen, bzw. durch ausgiebige Hörversuche versuchen zu optimieren. Ich bin aber bis jetzt mit der Herstellerangabe immer am Besten gefahren.
Für die Ermittlung der Auflagekraft benötigt man eine genau anzeigende Waage. Mein persönlicher Favorit ist die von der Fa. Shure SFG 2. Diese Waage ist einfach zu bedienen, sehr genau und hat einen Anzeigebereich bis zu 3 Gramm was für die meisten Tonabnehmer ausreichend ist. Ausnahmen sind z. B. die SPU´s von Ortofon.

Zuerst den Toarm ausbalancieren (Nullbalance) damit der Tonarm "schwebt". Bitte nicht den Nadelschutz vergessen zu entfernen, sonst wird er in die Gesamteinstellung mitberücksichtigt, was unweigerlich zu Fehlern führt. Dann auf auf der Gewichtseinstellung das Gewicht einstellen und mit der Waage vergleichen.


Auflagekraft-Kontrolle
Überprüfung




2. Tonarmhöhe
Diese Justage bezieht sich auf die korrekte Einstellung der VTA (Vertikalen Spurfehlwinkel). Hier liegt eine Anpassung des Abtastwinkels des Tonabnehmers (Diamanten) an die des Schneidstichels bei der Herstellung der Folie. Der Winkel beträgt hier 20° +- 5° (siehe Skizze). Diese Einstellung erreicht man indem man die Höhe des Tonarmes soweit verändert, bis dieser parallel zur Schallplattenoberfläche ist. Eine Höheneinstellung ist nicht an allen Tonarmen möglich. Nur an höherwertigen kann diese Verstellmöglichkeit vorhanden sein. An meinen SME Tonarmen ist das möglich. Am Thorens Tonarm TP16 leider nur in einen sehr eingeschränkten Bereich.


VTA VTA Nio
Prinzipskizze Überprüfung




3. Senkrechtstellung der Tonabnehmers
Einfach gesagt, muss der Tonabnehmer parallel zu der Schallplattenoberfläche sein. Optische Hilfsmittel wie eine Gitterscheibe sind hier hilfreich. Die Kontrolle erfolgt optisch (nur mit einen Auge um die Paralaxenfehler zu minimieren). Diese Justage ist sehr wichtig um die Abtastung beider Kanäle gleichmäßig zu ermöglichen. Weiters wird eine einseitige Abnützung des Abtastdiamanten und der Platte damit vermieden.


Senkrecht Stellung Senkrechtstellung
Prinzipskizze Überprüfung




4. Horizontaler Spurfehlwinkel
Da Schallplatten bei der Herstellung grundsätzlich tangential geschnitten werden, sollte die Abtastnadel auch immer tangential geführt werden. Die Geometrie der Drehtonarme lässt das aber nicht zu. Deshalb wurde in den 30 Jahren von den Herren Bearwald und Lofgren unabhängig voneinander mathematische Grundlagen zur Tonarmoptimierung entwickelt.

Plattenschneiden Tonarmgeometrie Spurfehlwinkel
Plattenherstellung Tonarmgeometrie Spurfehlwinkel


Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind einfach gesagt 2 Punkte auf der Schallplatte wo der Spurfehlwinkel gleich Null ist (tangentiale Abtastung). Diese Nulldurchgänge sind in den diversen Literaturquellen teilweise unterschiedlich, da man je nach Vorgaben (innere und der äußere bespielte Plattenradius, Berechnugsmethode nach Lofgren oder Bearwald) hier einen gewissen Spielraum hat.
Oftmals liefert der Tonarmhersteller Schablonen mit wo die Nulldurchgänge aufgezeichnet sind. Weiters gibt es diverse Schablonen bei Spezialhändler zu kaufen. Man kann sich auch eine Schablone selbst anfertigen. Einfaches Millimeterpapier mit Markierungen bei den Nulldurchgänge auf Karton geklebt genügt hier.

Die IEC Norm schlägt folgende Nulldurchgänge vor:

66mm und 121mm

Zuerst den Tonabnehmer am inneren Radius überprüfen und dann am äußeren Punkt nachkontrollieren. Am inneren Punkt nur den Überhang (= Tonabnehmer verschieben) einstellen und am äußeren Punkt nur die Kröpfung (= Tonabnehmer verdrehen) einstellen. Wenn der Tonabnehmer am inneren Punkt gegen den Uhrzeigersinn verdreht erscheint (von oben betrachtet mit einem Auge) dann muß der Tonabnehmer nach hinten verschoben werden und umgekehrt. Nach korrekter Überhangjustage am inneren Punkt muß der äußere Punkt nach kontrolliert werden. Geringfügige Abweichungen sind hier tolerierbar.

Mine zur Kontrolle Korrekt
Mine für genauere Kontrolle Korrekte Einstellung


Innen aussen
innerer Nulldurchgang äusserer Nulldurchgang




5. Antiskating
Durch die Geometrie des Drehtonarmes, erfährt der Arm eine Kraft zum Schallplattenzentrum. Diese Kraft muß mit entsprechenden Konstruktionen, wie Gewichte oder Magnete, ausgeglichen werden (Antiskatingkraft). Tangential-Tonarme benötigen prinzipbedingt keine Kompensation.

Die Einstellung der Antiskatingkraft sollte entsprechend den Angaben des Tonarmherstellers erfolgen. Manche Liebhaber stellen die Platte mittels Gehör und einer Testschallplatte -so wie ich es handhabe- ein oder schließen den Plattenspieler an eine Soundkarte im PC an, nehmen das Testsignal auf und stellen die Antiskatingkraft mit Hilfe eines Signalanalyseprogammes ein.

Antiskating Antiskating SMEIII
Prinzipskizze Antiskating mit Gewichteinstellung



Zurück zu den Anlage-Tips





Copyright by Rudolf E. Zampa